Sanden
Warum Sand auf den Rasen gehört
Sand auf den Rasen zu streuen wirkt auf den ersten Blick widersinnig, dabei ist das Sanden eine der wirkungsvollsten Maßnahmen der Rasenpflege, und auf jedem Golfplatz Standard. Der Grund liegt im Boden: Ton- und lehmhaltige Böden verdichten sich mit der Zeit, Wasser versickert schlecht, Staunässe und Moos folgen. Gewaschener Quarzsand verbessert die Bodenstruktur dauerhaft, denn er hält Poren und Kanäle offen, durch die Wasser und Luft an die Wurzeln gelangen.
Seine volle Wirkung entfaltet der Sand in Kombination mit dem Aerifizieren: Die mit Sand verfüllten Kanäle bleiben über Jahre offene Drainagewege, statt sich beim nächsten Regen wieder zu schließen. Das hilft übrigens auch in die andere Richtung: Böden, die nach längeren Trockenphasen wasserabweisend geworden sind, nehmen über die Sandkanäle wieder Wasser auf.
Und Sanden kann noch mehr: Als dünne Schicht über die Fläche gezogen gleicht es kleine Unebenheiten aus, die durch Frost, Maulwürfe oder Nutzung entstanden sind. So wird aus der Drainage-Maßnahme gleichzeitig eine Nivellierung.
Welcher Sand?
Entscheidend sind drei Eigenschaften: gewaschen (keine Feinanteile, die die Poren wieder verstopfen), kalkarm (Kalk verschiebt den pH-Wert und fördert Unkraut) und die richtige Körnung von 0,5 bis 2 mm. Feinerer Sand verdichtet sich selbst, gröberer arbeitet sich schlecht in die Narbe ein. Gewaschener Quarzsand in dieser Körnung erfüllt alle drei Bedingungen. Als Menge sind 3 bis 5 Liter pro Quadratmeter ein guter Richtwert für den Hausgarten, beim reinen Ausgleichen von Unebenheiten entsprechend mehr in den Senken.
Sand ausbringen
Der erste Schritt ist das Verteilen über die Fläche. Mit der Schaufel geschleudert funktioniert das, wird aber ungleichmäßig: Wo zu viel Sand liegt, erstickt das Gras, wo zu wenig liegt, verpufft die Wirkung. Gleichmäßiger und rückenschonender arbeitet die Sandraupe, die den Sand dosiert und in einer definierten Schicht ablegt, gerade auf größeren Flächen der Unterschied zwischen Nachmittagsprojekt und Feierabendrunde.
Rakel, Schleppnetz oder Besen: Womit einarbeiten?
Die häufigste Frage beim Sanden, und sie wird einfach, wenn man zwei Aufgaben unterscheidet: Ebnen und Einarbeiten. Fürs Ebnen gibt es genau ein Werkzeug, den Rakel. Fürs Einarbeiten gibt es zwei, die dasselbe tun: den Besen und das Schleppnetz, das ihn auf der Fläche ersetzt.
Der Rasenrakel hat eine starre Kante. Beim Ziehen über die Fläche nimmt er den Sand von den Hochpunkten mit und legt ihn in den Senken ab: Er arbeitet den Sand nicht nur ein, er ebnet die Fläche dabei aus. Deshalb ist er das Werkzeug der Wahl bei unebenen Flächen und bei der kompletten Renovation.
Das Schleppnetz ist flexibel und folgt dem Gelände. Es verteilt den Sand gleichmäßig in die Grasnarbe und die Aerifizierlöcher, ohne die Fläche zu verändern, und es kann noch mehr: Nach der Nachsaat arbeitet es die Samen leicht ein und stellt den Bodenschluss her, den sie zum Keimen brauchen. Auf großen Flächen ist es das schnellste Werkzeug fürs Einarbeiten.
Der Besen ist das Ursprungswerkzeug fürs Einarbeiten, und er funktioniert nach wie vor: Die Borsten fegen den Sand zuverlässig in die Kanäle, punktgenau und gründlich. Das Schleppnetz erledigt dieselbe Aufgabe großflächig in einem Bruchteil der Zeit, deshalb ersetzt es den Besen auf der Fläche. Fürs Nacharbeiten einzelner Stellen, an denen noch Sand obenauf liegt, bleibt der Besen trotzdem die einfachste Lösung.
Welches Werkzeug für welche Situation?
| Deine Situation | Werkzeug |
|---|---|
| Unebene Fläche, Senken und Buckel ausgleichen | Rasenrakel |
| Große, ebene Fläche schnell und gleichmäßig sanden | Schleppnetz |
| Nachsaat einarbeiten und Bodenschluss herstellen | Schleppnetz |
| Komplette Renovation mit Aerifizieren und Nachsaat | Rakel, dann Schleppnetz, Besen zum Nacharbeiten |
| Einzelne Stellen, an denen Sand obenauf liegen bleibt | Besen |
Bei der Renovation arbeiten die drei im Team: Erst zieht der Rakel den Sand über die Fläche und in die Senken, dann arbeitet das Schleppnetz Sand und Saat gleichmäßig in Narbe und Kanäle ein, und zum Schluss fegt der Besen die Stellen nach, an denen noch Sand obenauf liegt.
Wann sanden?
Am wirksamsten ist das Sanden direkt nach dem Aerifizieren, also in der Regel im Mai oder September, wenn der Rasen voll im Wachstum ist und die offenen Kanäle auf die Verfüllung warten. Eine dünne Sandschicht als Topdressing zum Ausgleichen kleiner Unebenheiten kannst du dagegen jederzeit während der Wachstumsphase aufbringen, solange das Gras durch die Schicht hindurch sichtbar bleibt. Wie die komplette Herbstkur aussieht, vom tiefen Mähen bis zur Nachsaat, liest du in unserem Beitrag zur Rasenrenovation im September.
