Rasenkrankheiten erkennen und behandeln: Schneeschimmel, Rotspitzigkeit und Co.

Wenn sich im Rasen Flecken bilden, steckt meist ein Pilz dahinter. Die Erreger sind fast immer schon im Boden. Ob eine Krankheit ausbricht, hängt aber davon ab, ob das Wetter passt und der Rasen geschwächt ist. Darin liegt auch die gute Nachricht: Wer die Ursache abstellt, braucht im Hausgarten keine Fungizide. Hier liest du, wie du die häufigsten Krankheiten erkennst und was jeweils hilft.

Kurz gesagt

  • Eine Rasenkrankheit bricht aus, wenn drei Dinge zusammenkommen: ein Erreger, ein geschwächter Rasen und passendes Wetter.
  • Am wichtigsten in Deutschland ist der Schneeschimmel. Er kommt im Spätherbst und Winter, oft auch ganz ohne Schnee.
  • Rotspitzigkeit und Rost zeigen meist Stickstoffmangel an. Schneeschimmel tritt dagegen eher nach zu viel Stickstoff im Herbst auf.
  • Die beste Vorbeugung: angepasst düngen, den Boden durchlässig halten, morgens gießen, Laub entfernen und mit scharfem Messer mähen.

Warum Rasen krank wird: das Krankheitsdreieck

Pflanzenkrankheiten entstehen nur, wenn Erreger, anfällige Pflanze und passende Umwelt zusammentreffen. Fehlt eine der drei Seiten, bricht die Krankheit nicht aus. Die Erreger kannst du im Garten kaum beeinflussen, sie sind praktisch überall. Die anderen beiden Seiten hast du dagegen in der Hand: Ein gut versorgter Rasen auf durchlässigem Boden, der nach Regen schnell abtrocknet, wird selten krank.

Das Krankheitsdreieck: Eine Rasenkrankheit entsteht nur, wenn Erreger, anfälliger Rasen und passendes Wetter zusammenkommen. Beeinflussen lassen sich Düngung, Schnitt und Filz sowie Gießzeitpunkt, Bodendurchlässigkeit und Laub.

Die häufigsten Rasenkrankheiten im Überblick

Krankheit Wann So sieht es aus Begünstigt durch
Schneeschimmel Oktober bis April, bei 0 bis 8 °C und Nässe runde Flecken, erst orange-braun, später grau-weiß bis rosa mit watteartigem Belag Stickstoff im Spätherbst, langes Gras im Winter, Filz, Staunässe, Laub
Rotspitzigkeit Spätsommer und Herbst, feucht-warm rosa bis rötliche Flecken, an den Halmspitzen feine rote Fäden Stickstoffmangel, lange Blattnässe
Rost Spätsommer und Herbst gelb-orange Pusteln auf den Blättern, oranger Staub an den Schuhen Stickstoffmangel, Trockenheit, langsames Wachstum
Dollarflecken Sommer, warme Tage und kühle, taufeuchte Nächte kleine, strohfarbene, scharf begrenzte Flecken, oft nur münzgroß Stickstoffmangel, Trockenstress, Tau
Blattflecken Frühjahr und Herbst, kühl-feucht Flecken auf den Blättern mit dunklem Rand, später ausgedünnte Stellen Blattnässe, zu viel Stickstoff im Frühjahr, Filz
Echter Mehltau Spätsommer, schattig weißer, mehliger Belag, lässt sich abwischen Schatten, wenig Luftbewegung, üppiges Wachstum

Sechs Rasenkrankheiten auf einen Blick mit typischem Fleck und Halmdetail: Schneeschimmel mit grau-weißem Belag, Rotspitzigkeit mit roten Fäden, Rost mit orangen Pusteln, Dollarflecken als kleine strohfarbene Flecken, Blattflecken mit dunklem Rand und Echter Mehltau mit weißem Belag.

Ringförmige Pilze und Hexenringe sind ein eigenes Thema. Mehr dazu in Pilze im Rasen.

Krankheitskalender: Schneeschimmel von Oktober bis April, Blattflecken im Frühjahr und Herbst, Dollarflecken von Juni bis September, Rotspitzigkeit und Rost von August bis November, Echter Mehltau von August bis Oktober.

Schneeschimmel: die wichtigste Krankheit im Winterhalbjahr

Schneeschimmel (Microdochium nivale) braucht keinen Schnee. Er tritt bei kühler, feuchter Witterung zwischen etwa 0 und 8 °C auf, also bei uns häufig von Oktober bis April. Unter einer länger liegenden Schneedecke kann zusätzlich der Graue Schneeschimmel auftreten. Nach der Schneeschmelze siehst du dann graue, verklebte Flecken.

So beugst du vor:

  • Kurz und trocken in den Winter: Langes Gras legt sich um, bleibt feucht und bietet dem Pilz ideale Bedingungen. Schneide den Rasen im Herbst so lange, wie er wächst. Eine leicht angehobene Schnitthöhe im Herbst ist in Ordnung, sehr langes Gras im Winter dagegen nicht.
  • Kein Stickstoff mehr ab Oktober: Weiche, stickstoffreiche Blätter sind besonders anfällig. Im Herbst lieber kaliumbetont düngen.
  • Laub entfernen: Unter nassem Laub entsteht genau das Mikroklima, das der Pilz braucht.
  • Durchlässiger Boden: Aerifizieren und sanden, damit die Oberfläche nach Regen abtrocknet. Mehr dazu in Staunässe im Rasen.

Wenn er da ist: Die Flecken im Frühjahr mit einem Rechen auflockern, damit sie abtrocknen. Sobald es wärmer wird, wächst der Rasen meist von selbst nach. Stark geschädigte Stellen im Frühjahr nachsäen.

Wichtig

Nicht auf befallenen Flecken herumlaufen, solange sie nass sind, und danach Schuhe und Geräte säubern. Die Sporen werden sonst über den ganzen Rasen verteilt.

Rotspitzigkeit und Rost: Der Rasen hat Hunger

Beide Krankheiten sehen unterschiedlich aus, die Ursache ist aber meist dieselbe: Der Rasen wächst zu langsam, weil ihm Stickstoff fehlt.

  • Rotspitzigkeit erkennst du an rosa Flecken und feinen, roten, geweihartigen Fäden an den Halmspitzen.
  • Rost erkennst du an orangen Pusteln auf den Blättern. Nach dem Mähen sind Schuhe und Mäher orange bestäubt.

Was hilft: Im Spätsommer eine ausgewogene Stickstoffgabe, damit der Rasen wieder wächst. Durch das regelmäßige Mähen werden die befallenen Blattspitzen entfernt. Schnittgut mit dem Fangkorb aufnehmen. Beide Krankheiten verschwinden meist innerhalb weniger Wochen, sobald der Rasen wieder kräftig wächst.

Dollarflecken, Blattflecken, Mehltau

  • Dollarflecken: Diese Flecken kommen eher auf sehr kurz gemähten, dichten Flächen vor, die nicht ausreichend gedüngt sind. Was hilft: ausreichend Stickstoff geben, Tau morgens abstreifen oder früh mähen, bei Trockenheit durchdringend wässern.
  • Blattflecken: Sie treten bei kühl-feuchtem Wetter auf, wenn die Blätter lange nass sind. Was hilft: morgens gießen statt abends, Filz reduzieren, im Frühjahr nicht zu viel Stickstoff auf einmal geben.
  • Echter Mehltau: Er ist fast immer ein Schattenproblem. Was hilft: Bäume und Hecken auslichten, im Schatten etwas höher schneiden und schattenverträgliche Sorten nachsäen.

Vorbeugen ist alles

Maßnahme Wirkt gegen Warum
Angepasst düngen Rotspitzigkeit, Rost, Dollarflecken, Schneeschimmel ausreichend Stickstoff in der Saison, keiner im Spätherbst
Aerifizieren und sanden Schneeschimmel, Blattflecken Oberfläche trocknet schneller ab, weniger Staunässe
Morgens gießen alle Blattkrankheiten Blätter trocknen über den Tag ab
Filz reduzieren Schneeschimmel, Blattflecken weniger feuchter Lebensraum für Pilze
Laub entfernen Schneeschimmel kein nasses Mikroklima auf dem Rasen
Mit scharfem Messer mähen alle Blattkrankheiten glatte Schnittstellen bieten Erregern weniger Angriffsfläche
Geräte und Schuhe reinigen alle Sporen werden nicht verschleppt

Tipp

Ein sauberer Schnitt ist eine unterschätzte Vorbeugung. Ausgefranste Halme eines stumpfen Messers bieten Pilzen eine große Angriffsfläche. Ein scharfer Spindelmäher schneidet die Halme glatt ab. Warum das so ist, liest du in Handspindelmäher: Was er besser kann als ein Sichelmäher.

Hinweis für Spindelmäher

Im Herbst liegt oft Laub mit Ästen auf dem Rasen. Dann mähst du besser mit dem Sichelmäher, damit die Spindel nicht beschädigt wird. Für die Krankheitsvorbeugung zählt vor allem, dass das Laub regelmäßig runterkommt.

Was du lassen solltest

Verbreiteter Tipp Warum er nicht hilft
Fungizide spritzen Im Hausgarten nicht nötig, wenn die Ursache behoben wird. Die Erreger bleiben im Boden, ohne Ursachenbehebung kommt die Krankheit wieder.
Im Oktober noch einmal kräftig mit Stickstoff düngen Weiches, stickstoffreiches Gewebe ist ein Festmahl für Schneeschimmel.
Abends gießen Die Blätter bleiben über Nacht nass, das fördert fast alle Pilzkrankheiten.
Kalk auf Verdacht Ein hoher pH-Wert fördert Schneeschimmel eher. Kalk nur nach Bodenanalyse.

Häufige Fragen zu Rasenkrankheiten

Woran erkenne ich, ob es eine Krankheit oder Trockenheit ist?

Trockenschäden sind flächig und folgen oft sonnigen Stellen oder Hängen. Krankheiten bilden meist runde, abgegrenzte Flecken, und auf den Blättern siehst du Beläge, Pusteln oder Fäden.

Geht Schneeschimmel von selbst weg?

Meist ja, sobald es im Frühjahr wärmer und trockener wird. Stark geschädigte Stellen säst du nach.

Ist Rost gefährlich für Kinder oder Hunde?

Nein. Der Staub sieht unangenehm aus, ist aber harmlos.

Muss ich kranke Stellen ausstechen?

In aller Regel nicht. Die Gräser treiben aus der Basis wieder aus, wenn die Ursache behoben ist.

Kann ich Schnittgut von kranken Flächen kompostieren?

Bei leichtem Befall ja, wenn der Kompost gut durchrottet. Bei starkem Befall besser in die Biotonne.

Werkzeuge für einen gesunden Rasen